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WPF-Anwendungen muss man nicht zu Windows Store Apps migrieren

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WPF-Anwendungen muss man nicht zu Windows Store Apps migrieren

WPF-Anwendungen muss man nicht zu Windows Store Apps migrieren

Im Business-Umfeld wird immer noch vornehmlich Windows 7 oder gar XP genutzt, Windows 8 ist hier noch nicht wirklich angekommen - so ein weit verbreiteter Glaube. Umso interessanter wird es daher, wenn Thomas Claudius Huber auf der BASTA! 2013 über Windows Store Apps im Enterprise-Umfeld spricht. Uns hat er schon jetzt verraten, welche Rolle Windows 8 im Enterprise spielt und in welchem Verhältnis WPF-Anwendungen zu Windows Store Apps stehen.

Windows Developer: Thomas, auf der BASTA! 2013 hältst du eine Session mit dem Titel „Windows-Store-Apps im Enterprise-Umfeld“. Was ist dran an dem Gerücht, dass Windows 8 im Enterprise-Umfeld nicht brauchbar ist?

Thomas Claudius Huber: Windows 8 ist durchaus auch im Enterprise-Umfeld brauchbar und meiner Meinung nach auch eine Bereicherung. Die meisten Diskussionen gehen immer noch um den kachelbasierten Startbildschirm, der das klassische Startmenü ablöst. Der ist für viele Unternehmer aufgrund einer eventuellen Einarbeitung der Mitarbeiter ein Dorn im Auge. Wer jedoch mit Windows 8 gearbeitet hat, der weiß, dass der Startbildschirm ein geniales Konzept ist, das dem Startmenü in nichts nachsteht. Wenn wir also über „brauchbar“ sprechen, geht es dabei meist um Benutzer-Akzeptanz, denn technisch gesehen spielt Windows 8 mit Windows 7 zusammen und unterstützt die typischen Szenarien wie Domänenbeitritt, Gruppenrichtlinien usw. Und die Benutzer-Akzeptanz erhöht Microsoft mit Windows 8.1. Das direkte Booten in den klassischen Desktop ist sicherlich für viele Unternehmer ein wichtiges Feature, damit sich Ihre Mitarbeiter nach wie vor zurechtfinden. Unternehmer haben oft auch Angst, dass Ihre Mitarbeiter nur noch durch den Windows Store schlendern und sich x-beliebige Apps installieren. Auch diese Angst ist unberechtigt, denn mit Gruppenrichtlinien lässt sich genau steuern, welche Apps für den Benutzer im Windows Store überhaupt verfügbar sind.

Windows Developer: Gibt es denn überhaupt schon genügend Business-Apps im Windows Store oder konzentriert sich die Enterprise-Welt weiter auf den Desktop?

Thomas Claudius Huber: Business-Apps im Windows Store sind eher die Seltenheit. Wenn Windows Store Apps für die Enterprise-Welt entwickelt werden, dann geht es meist darum, diese nur einem bestimmten Benutzerkreis zur Verfügung zu stellen. Dafür ist der Windows Store das falsche Mittel. Aus diesem Grund umgehen die typischen Business-Apps den Windows Store. Sie werden auf den Geräten der entsprechenden Benutzer direkt durch ein sogenanntes Side-Loading installiert.

Zum zweiten Teil der Frage: Die Enterprise-Welt spielt sich nach wie vor hauptsächlich auf dem Desktop ab. Das ist zumindest, was ich bei meinen Kunden wahrnehme. Das hängt einerseits damit zusammen, dass in vielen Unternehmen noch Windows 7 oder sogar eine vorherige Version im Einsatz ist. Andererseits sind Windows Store Apps nicht das Allheilmittel. Oftmals gibt es eine mächtige, komplexe Desktop-Anwendung. Eine Windows Store App kann hier nur ein zusätzlicher Client sein, der beispielsweise intuitiv und überschaubare die neuesten Auswertungen anzeigt. Das bedeutet, im Enterprise-Umfeld gibt es meist nicht eine alleinstehende Windows Store App. Stattdessen wird eine Desktop-Anwendung mit einer Windows Store App und evtl. sogar einer Windows Phone App erweitert. Damit diese zusätzlichen Clients möglich sind, sollte eine entsprechende Software-Architektur gewählt werden, die einfach diese zusätzlichen Clients unterstützt. In vielen Unternehmen sind darüber hinaus natürlich auch iPads oder Android Tablets vertreten, womit auch wieder die Entscheidung zwischen nativer Entwicklung für jede Plattform oder einer HTML-Anwendung stattfinden muss. Aber evtl. werden Features wie die Integration in die Domäne, Microsoft Office und weitere in Zukunft dafür sorgen, dass es auch Unternehmen geben wird, die nur noch auf Windows 8 Tablets setzen.

Windows Developer: Welche neuen Möglichkeiten eröffnet der Windows Store für Business-Szenarien?

Thomas Claudius Huber: Der Windows Store als solcher wird in den meisten Business-Szenarien nicht genutzt. Für die meisten Business-Apps wird das Side-Loading verwendet, um den Mitarbeitern die eigenen Apps direkt zur Verfügung zu stellen. Allerdings gibt es natürlich auch Szenarien, in denen Unternehmen kleinere Apps im Windows Store für Endkunden bereitstellen. Denken Sie beispielsweise an eine App, mit der Sie ihr verschicktes Paket verfolgen können. Auch dafür gibt es immer wieder Anwendungsfälle.

Windows Developer: Was müssen Entwickler beachten, wenn sie Business Apps für Windows 8 entwickeln?

Thomas Claudius Huber: Im Vergleich zum Desktop sind insbesondere die primäre Ausrichtung auf Touch-Eingaben sowie die neuen Design-Konzepte eine kleine Herausforderung. Microsoft stellt im Developer Center unter http://dev.windows.com/ zahlreiche Ressourcen zur Verfügung, die einem dabei helfen, die richtige App richtig umzusetzen.

In der Vergangenheit habe ich selbst immer wieder die Frage gehört, ob es nichts gäbe, um eine WPF-Anwendung zu einer Windows Store App zu migrieren. Die Frage erübrigt sich, sobald man sich Gedanken über die (Design-)Konzepte einer Windows Store App macht. Es macht in 99,99 Prozent aller Fälle gar keinen Sinn, eine WPF-Anwendung zu einer Windows Store App zu migrieren, da die Prinzipien für die Oberflächen ganz andere sind. Was allerdings die darunterliegende Business-Logik betrifft, diese lässt sich natürlich je nach Architektur wiederverwenden.

Windows Developer: Was ist Ihre Voraussage, wird das nahende Support-Ende für Windows XP die Nutzung von Windows 8 in Unternehmen in die Höhe treiben oder werden diese eher auf Windows 7 umsteigen?

Thomas Claudius Huber: Derzeit sehe ich bei meinen Kunden noch den Trend zu Windows 7. Manche Unternehmen haben mittlerweile vereinzelte Windows 8-Geräte im Einsatz, meist jedoch für einen bestimmten Benutzerkreis als Zusatzgerät in Form eines Tablets. Ich denke, dass vielen Administratoren der Umstieg auf Windows 8 bzw. 8.1 noch zu früh ist und sie daher eher auf das bewährte Windows 7 umsteigen werden. Aber in den nächsten Jahren wird die Migration nach und nach stattfinden, und Windows Store Apps werden somit eine immer grössere Rolle spielen.

Windows Developer: Und welche Rolle spielt Windows 8.1 in Hinblick auf die Business-Welt? Nach dem Update soll das Betriebssystem ja deutlich stabiler laufen.

Thomas Claudius Huber: Microsoft hat mit Windows 8.1 viele geforderte Verbesserungen umgesetzt. Ich selbst nutzte die Preview-Version von Windows 8.1 bereits seit dem ersten Tag und habe auf meinem System eine sehr stabile Umgebung. Natürlich ist ein Unternehmensnetzwerk mit tausenden von Rechnern eine andere Messlatte, aber ich sehe dem durchaus positiv entgegen. Mit den eingeführten Neuerungen wie dem Booten zum Desktop oder dem neuen Start Button hat Microsoft auch die Hauptkritiken behoben. Ob mit Windows 8.l jetzt mehrere Unternehmen doch noch auf die achte Windows-Version umsteigen, wird sich zeigen. Bei vielen Administratoren lautet die goldene Regel bei jeder neuen Windows-Version ja meist, „ich warte erst das Service Pack ab“. Ob Windows 8.1 jetzt als ein solches angesehen wird, bleibt spannend abzuwarten.

Windows Developer: Vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns auf der BASTA!

© Thomas Claudius Huber

Thomas Claudius Huber arbeitet als Principal Consultant bei der Trivadis AG in Basel im Bereich Application Development und ist MVP für Client Development. Da ihn Benutzeroberflächen schon seit seinem Informatikstudium begeisterten, spezialisierte er sich in den vergangenen Jahren auf die UI-Programmierung mit der WPF und der WinRT. Er ist Autor der umfassenden Handbücher zur Windows Presentation Foundation, zu Silverlight und zu Windows-Store-Apps. Zudem schreibt er regelmäßig für den Windows Developer. Seine persönliche Seite finden Sie unter www.thomasclaudiushuber.com.

 

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