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Ein erster Marktüberblick zu Windows Phone 8

Ein erster Marktüberblick zu Windows Phone 8

Die ultrarigiden Vorgaben von Microsoft erschwerten den Partnern des Unternehmens das Anbieten attraktiver Telefone ‑ das Endergebnis war eine Vielzahl von mehr oder weniger identisch ausgestatteten Geräten, die fast ausschließlich als tastaturlose Slates ausgelegt waren.

Mit Windows Phone 8 hält ein neuer Kernel Einzug. Microsoft nutzt diese Gelegenheit, um die Anforderungen weniger stringent auszulegen. So gibt es ab sofort auch höhere Auflösungen, im Bereich der Prozessoren ist die Auswahl ebenfalls größer geworden. Einige Wochen nach dem Launch ist es an der Zeit, einmal innezuhalten und eine Bestandsaufnahme zu wagen. In diesem Artikel fragen wir uns, wie die Hardwarepartner mit Microsofts neuem Betriebssystem umgehen – wird es vielleicht wieder eine Vielzahl von verschiedenen Formaten geben?

Von der Hardware

Wer ein klassisches Windows-Mobile-Gerät baute, hatte beim Bildschirm weitgehend freie Wahl. Unter Windows Phone 7 gab es nur die Auflösung von 800 x 480, unter Windows Phone 8 hat der Hersteller die Wahl zwischen drei verschiedenen Auflösungen: WVGA (800 x 480), WXVGA (1280 x 768), 720p (1280 x 720). Diese Option wird von Seiten der Hardwarepartner begierig angenommen und zur Differenzierung der angebotenen Geräte genutzt. Die Prozessoren sind bei allen Windows-Phone-8-Maschinen zweikernig, auch beim Speicherausbau gibt es nur bei HTC einen Ausreißer nach unten.

High-End von HTC…

Wer die Mobilcomputerindustrie seit Jahren verfolgt, hat den Aufstieg und Fall von HTC höchstwahrscheinlich aus der ersten Reihe mitbekommen. Als Microsoft Windows Mobile 6.5 vorstellte, war der CEO des Unternehmens als einziger Hardwarehersteller mit Steve Ballmer auf der Bühne. Nach einem kurzen Intermezzo mit Google war das Haus in den letzten Monaten nur mehr mit Umstrukturierungsmaßnahmen und schlechten Quartalszahlen in der Presse – die Liebe von Microsoft galt (nach der Eliminierung von Palm) dem neuen Partner Nokia.

Als besonderes Entgegenkommen darf HTC seine Telefone als „Windows Phone 8*“ bezeichnen und muss keine eigene Marke erfinden – wie zu früheren Zeiten erschien auch Steve Ballmer persönlich zur Vorstellung der neuen Geräte. Das High-End-Modell Windows Phone 8X kostet im Handel derzeit rund 500 Euro und ist in einer Vielzahl von Farben erhältlich. Die abgerundete und gummierte Rückwand sorgt dafür, dass das Gerät trotz des geringen Gewichts sehr angenehm in der Hand liegt. Ärgerlicherweise ist der Akku nicht wechselbar, der mit 16 GB ausreichend große interne Speicher lässt sich anders als beim billigeren 8S nicht erweitern. Die restlichen Spezifikationen sind auf der Höhe der Zeit. Als Prozessor kommt ein mit 2 x 1.5 GHz arbeitender Snapdragon S4 Pro zum Einsatz – er treibt auch die Mehrheit des sonstigen Testfelds an. Der Arbeitsspeicher fasst 1 GB, was für die meisten Anwendungen mehr als ausreicht. Beim Bildschirm setzt HTC auf LCD-Technologie. Die Auflösung des 4,3 Zoll großen Bildschirms liegt bei 1280 x 720 Pixel, der interne Speicher ist 16 GB groß. Trotz der zum Anzeigen des tiefenbetonten Startbildschirms (Abb. 1) subidealen Technologie ist die Darstellung des GUI durchaus zufriedenstellend.

Abb. 1: Der schwarze Hintergrund des Home Screens von Windows Phone 8 ist für OLED-Bildschirme aufgrund der systemimmanent perfekten Schwarzdarstellung ideal

Die Kamera hat eine Auflösung von „nur“ acht Megapixeln, erfreut aber mit der von der One-Serie bekannten adaptiven Blitztechnologie. Diese erleichtert das Abfotografieren von Dokumenten wesentlich, da sie die emittierte Blitzenergie zur Verhinderung von Überbelichtungen reduziert – beim schnellen „Scannen“ einer Visitenkarte ist das ein geradezu gottgegebenes Feature. Natürlich sind die internen Lautsprecher auch hier von Beats Audio zertifiziert – der Rapper Dr. Dre lässt grüßen.

Zu guter Letzt noch ein amüsantes Detail zum Gerät: Um die einheitliche Optik der Rückwand nicht zu gefährden, druckt HTC nur die absolut wichtigsten (sprich: rechtlich erforderlichen) Daten auf das Gehäuse. Allerdings zählen weder Seriennummer noch IMEI dazu. Um im Ernstfall trotzdem Servicedienstleistungen erbringen zu können, legt HTC dem Telefon die in Abbildung 2 gezeigten Sticker bei. Sie müssen vor dem Einschicken des Geräts auf der Rückseite angebracht werden – was im Fall des Verlusts der Aufkleber passiert, ist noch nicht ausjudiziert.

Abb. 2: Diese Sticker sollten Sie nach Möglichkeit nicht verlieren – sie enthalten Seriennummer und IMEI

…und Nokia

Nach der erfolgreichen Zerstörung der eigenen Betriebssysteme Symbian, MeeGo und Meltemi bleibt Nokia nicht viel anderes übrig – das Unternehmen muss auch ein Windows Phone 8 herausbringen. Die Lumia 920 genannte Lütte ist um einiges schwerer als das kleine und sehr handliche 8X aus dem Hause HTC. Obwohl die Rückwand des Geräts abgerundet ist, empfindet die Mehrheit der Tester das leichtere Gerät als wesentlich angenehmer im Handling – wenigstens ist das ärgerliche „Vortreten“ des Bildschirms eine Sache der Vergangenheit.

Nokia setzt beim Lumia 920 auf die höchste Auflösung des gesamten Testfelds. Das 4,5 Zoll große IPS-LCD arbeitet mit einer Auflösung von 1280 x 768 Pixeln. Eine „PureMotion“ genannte Technologie beschleunigt die Reaktionszeit – in Desktopmonitoren ist das System seit Jahren Standard, der eine oder andere Spieleprogrammierer wird sich mit Sicherheit freuen. Beim Wintereinsatz profitieren User von der gesteigerten Empfindlichkeit des Bildschirms. Dank Technologie vom Touchpad-Experten Synaptics ist er in der Lage, durch Handschuhe „hindurchzusehen“. Das erspart das Ausziehen der wärmenden Schutzkleidung – bei Schnee und Eiseskälte ist das ein geniales Feature.

Die sonstigen Spezifikationen entsprechen den an das sehr teure Gerät (Preise über 600 Euro) gestellten Ansprüchen. Der Prozessor ist wie bei HTC vierkernig und kommt aus dem Hause Qualcomm, der Arbeitsspeicher ist mit 1 GB ausreichend dimensioniert. Der leider nicht durch eine MicroSD-Karte erweiterbare Speicher fasst von Haus aus 32 GB – doppelt so viel wie im Flaggschiff von HTC. Natürlich ist auch ein NFC-Transmitter an Bord. Nokia verwendete die PureView-Marke zur Auszeichnung der mit 40 Megapixeln arbeitenden Kamera seines letzten Symbian-Geräts. Auch die Kamera des Lumia 920 trägt diesen Namen, obwohl die Spezifikationen reduziert sind: Der Sensor arbeitet mit 8,7 Megapixeln, die von Carl Zeiss stammende Linse hat eine Blendenzahl von 2.0. In praktischen Tests enttäuscht die Kamera insbesondere bei Tageslicht – je schlechter die Lichtverhältnisse, desto besser erscheinen die Abbildungen im Vergleich zu anderen Smartphones. Die optische Bildstabilisierungstechnologie ist insbesondere beim Aufnehmen von Videos hilfreich – wer wie der Autor dieser Zeilen mit einem Tremor gesegnet ist, kann von verwackelten Handyclips ein Lied singen.

Das Phantom von Samsung

Samsung ist aufgrund der marktführenden Position im Computerbereich von Microsoft abhängig. Aus diesem Grund ist es nur logisch, dass der Hersteller auch ein Windows Phone 8 anbietet. Das Ativ S genannte Telefon ist Teil der Ativ-Serie, die auch eine Vielzahl von vollwertigen Windows-8-Tablets enthält. Optisch orientiert sich Samsung beim Ativ S am Android-Blockbuster Galaxy SIII. Anders als beim exzellent verarbeiteten Omnia 7 (das Stahlgehäuse ist legendär) setzen die Koreaner diesmal auf Kunststoff, der aber in Aluminiumoptik gehalten ist und relativ wertig verarbeitet wird. Anders als bei den Konkurrenzgeräten ist der Home-Button hier als echter Knopf ausgelegt und hat ein sehr gutes taktiles Feedback – auch das ist eine angenehme Änderung. Da Samsung eine OLED-Fabrik im Haus hat, ist das Deployment eines Super AMOLED-Bildschirms nicht allzu überraschend. Die Auflösung von 720 x 1280 Pixeln führt im Zusammenhang mit der enormen Diagonale (4,8 Zoll) zu einer Pixeldichte von 306 ppi. Die maximale Helligkeit ist etwas geringer als bei der Konkurrenz, was im Outdooreinsatz zu kleineren Problemen führt.

Im Bereich der sonstigen Spezifikationen bleibt Samsung eng an den Vorgaben der Konkurrenz. Auch hier kommt als Prozessor der schon besprochene Snapdragon S4 Pro zum Einsatz – er enthält zwei Kerne, die mit einem Maximaltakt von 1,5 GHz rackern. Der Arbeitsspeicher ist mit 1 GB ausreichend bemessen, beim internen Speicher hat der User die Wahl zwischen 16 und 32 GB. Zusätzlich gibt es einen MicroSD-Slot, der das Erweitern des Remanentspeichers ermöglicht. Die mit einer Auflösung von 8 Megapixeln arbeitende Kamera ist solide Mittelklasse. Die Bilder sind sehr „weich“ und sollten – wie bei älteren SLRs von Olympus – am Desktop nachgeschärft werden. Die Farbbalance ist sehr natürlich, leider neigt die Belichtungsautomatik zum Überbelichten der Motive.

Trotz der beeindruckenden Hardware ist das Telefon um 30 Euro billiger als das Lumia 920. Zu beachten ist, dass das Gerät derzeit noch nicht im Handel erhältlich ist. Eine Rundschau im Frankfurter Flagship Store ergab am 11. November, dass das Gerät zwar an der Wand beworben wird – die Verkäufer hatten vom Ativ S aber noch nie gehört und wussten auch keinen genauen Liefertermin. Es ist also durchaus möglich, dass Samsung dem Gerät Nischenstatus einräumt und es nicht weiter promotet. Das war schon beim Omnia 7 und seinem Nachfolger Omnia W der Fall.

Spielerei in Midrange

Die bei der Vorstellung der Plattform heißen Spezifikationen von Windows Phone 7 wurden im Laufe der Zeit Standard – am Ende des Lebenszyklus war es so gut wie unmöglich, ein Windows Phone 7 als High-End-Smartphone zu vertreiben. Windows Phone 8 schafft hier Abhilfe. Trotzdem ist der High-End-Markt nicht alles, und sowohl HTC als auch Nokia bieten Midrange-Telefone an. Samsung ist hier nicht vertreten, was die Spekulationen über ein „Alibihandy“ weiter anheizt. Nokias Mittelklasse läuft unter dem Namen Lumia 8xx. Beim 4,3 Zoll großen AMOLED-Bildschirm setzen die Finnen auf die schon bekannte Auflösung von 800 x 480, der Prozessor ist doppelkernig ausgelegt und arbeitet wie im High-End-Bereich mit einem Kerntakt von 1,5 GHz. Auch beim Arbeitsspeicher gibt sich Nokia keine Blöße – 1 GB RAM sollte für die meisten Applikationen mehr als ausreichen.

Amüsant ist, dass Nokia das mit der Lumia-Serie eingeführte Unibody-Konzept beim 820er aufgibt. Stattdessen kehren die von diversen Klassikern bekannten Shells zurück – die Rückwand des Telefons kann je nach Bedarf ausgetauscht werden. Neben den bekannten farbigen Rückwänden gibt es auch spezielle Shells mit NFC und sogar eine Version mit dem von Palm bekannten „wireless charging“. Ein angenehmer Nebeneffekt davon ist, dass der Akkumulator auswechselbar ist. Die Verarbeitung des Telefons ist nicht allzu schlecht. Das aus Plastik bestehende Gehäuse ist nicht komplett präzise verarbeitet, das Gesamtgewicht ist (insbesondere im Vergleich zum HTC Windows Phone 8S) hoch. Anders als beim 920er setzt Nokia beim 8xx auf AMOLED-Technologie. Da der Bildschirm nicht mit einer PenTile-Matrix arbeitet, ist die Auflösung erträglich – das perfekte Schwarz verbessert die Darstellung des Low-Key-Homescreens. Trotzdem ist der Bildschirm nicht perfekt: Das Gerät wirkt blaustichig. Im Bereich der Kamera spart Nokia ebenfalls. Die optische Bildstabilisation des Lumia 920 fehlt komplett, die von Carl Zeiss entwickelte Linse fällt mit einer Blendenzahl von 2.2 (statt 2.0) etwas preiswerter aus. Die Bildqualität ist – wie bei Nokia üblich – durchaus brauchbar, wenn auch nicht mit der des Lumia 920 vergleichbar.

Interessant ist, dass es mehrere Unterversionen des Geräts im Handel gibt. Die Versionen 810 und 820 haben 8 GB internen Speicher, das 822 erfreut mit geräumigeren 16 GB. Die rückseitige Kamera arbeitet bei allen drei Versionen mit einer Auflösung von acht Megapixeln, die Frontkamera hat beim 810 und beim 822 eine Auflösung von 1,2 MP (820:VGA). Zu beachten ist, dass sowohl das 810 als auch das 822 nur für den US-Markt vorgesehen sind – das 810 ist bei T-Mobile erhältlich, das 822 wird von Verizon vertrieben. Die wechselbaren Rückwände des 820 sind nicht kompatibel. Anders als beim High-End-Gerät spendiert Nokia dem Lumia 8xx einen MicroSD-Slot – auf diese Art und Weise lässt sich der interne Speicher nach Wunsch erweitern.

HTC beweist mit seinem Windows Phone 8S Mut zur Lücke. Der Kampfpreis von rund 300 Euro ist fast 150 Euro billiger als der derzeitige OTC-Preis des soeben besprochenen Lumia 820. Leider fordert dies seinen Tribut – die Hardware des 8S ist die mit Abstand schwächste im Testfeld. Der Prozessor hat zwar zwei Kerne, arbeitet aber mit einem Kerntakt von nur 1,0 GHz. Auch der Arbeitsspeicher fällt um einiges weniger geräumig aus: 512 MB war bei Windows Phone 7.5 Standard, alle anderen WP8-Geräte haben doppelt so viel. Der interne Speicher fasst nur 4 GB, ist aber mittels MicroSD-Karte erweiterbar – der Kurzstreckenfunk NFC fehlt und ist auch nicht ohne weiteres nachrüstbar. Immerhin ist die Verarbeitung des Plastikgehäuses sehr gut, die Gummierung sorgt für sicheren Halt auch in verschwitzten Händen.

HTC bietet das 8S in vier verschiedenen Farbvarianten an: Es gibt das Telefon in grau, schwarz, rot und dunkelblau. Anders als beim Lumia 820 ist es nicht möglich, die Farbe nach dem Kauf zu wechseln, auch der interne Akkumulator ist nicht wechselbar. Immerhin setzt HTC auch beim 8S auf die Beats-Technologie von Rapper Dr. Dre. Die Soundqualität ist dementsprechend gut – sowohl über Kopfhörer als auch mit Lautsprechern. Leider gibt es keine Kamera auf der Vorderseite, die das Videotelefonieren ermöglichen würde.

Trickserei im Billigsegment

Existierende Windows-Phone-7-Hardware lässt sich nicht auf Windows Phone 8 aktualisieren. Um die Verärgerung der Besitzer dieser ehemals sehr teuren Telefone zu minimieren, bietet Microsoft mit Windows Phone 7.8 eine Rückportierung des neuen Homescreens an.

Nokia nutzt diese Version des Betriebssystems für sein Lumia 510. Dabei handelt es sich um ein Billigstgerät, das Windows Phone in die Entwicklungsländer (ein traditioneller Markt von Nokia) führen soll. Wie schon beim Lumia 610 setzt Nokia auch hier auf mehrere Farben – das Telefon ist in Rot, Gelb, Cyan, Weiß und Schwarz verfügbar. Neben einem Touchscreen mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln findet sich ein eher langsamer 800-MHz-Einkernprozessor, der mit 256 MB RAM auskommen muss. Ärgerlich ist auch, dass der nicht erweiterbare interne Speicher auf 2,2 GB beschränkt ist – das ist für seriöse Anwendungen schlichtweg zu wenig.

Hands-on mit dem OS

In der Praxis erweist sich Windows Phone 8 als durchaus brauchbares Betriebssystem. Das GUI ist, wie schon von Windows Phone 7 her gewohnt, sehr ansprechend animiert und reagiert sehr schnell auf Eingaben. Allerdings: Das GUI war nie das Problem von Windows Phone. Ganz im Gegenteil erwies sich das ehemalige Metrodesign geradezu als Liebling der Fachpresse. Problematisch war vielmehr der Mangel an brauchbaren Applikationen, die das Telefon zu einem teuren Briefbeschwerer mit minimalen Zusatzfunktionen degradierten. Dafür gab es zwei Gründe: erstens das mangelhafte Interesse der durch den Kompatibilitätsbruch verärgerten Entwickler – bei Unternehmen wie der slowakischen Resco s.r.o. hat die Umstellung den gesamten Consumer-Application-Bereich auf einen Schlag eliminiert. Problem Nummer zwei lag im mangelhaften API. Es gab eine Vielzahl von Anwendungsfällen, die aufgrund fehlender Programmierschnittstellen einfach nicht realisierbar waren. Mit Windows Phone 8 führt Microsoft die C++-Kompatibilität wieder ein. Auf diese Art und Weise wird es für die Entwickler einfacher, Engines zu portieren – das ist mit Sicherheit ein nicht unwichtiger Vorteil.

Leider bleibt der Plattform trotz allem das schlechte Sentiment. Die von Microsoft veranstalteten Entwicklerwettbewerbe haben mit Sicherheit neue Hände angelockt – viele bekannte Namen haben daran aber nicht teilgenommen. Es hätte Microsoft nicht geschadet, diese Partner zu reaktivieren.

Wo ist Huawei?

Wie die meisten asiatischen Hersteller fährt auch Huawei eine „Platform-Hedging-Strategie“. Das bedeutet, dass sich das Unternehmen so breit wie irgendwie möglich aufstellt. Da das Entwickeln eines Geräts keinen nennenswerten Aufwand darstellt, wollte man natürlich beim Launch von Windows Phone 8 dabei sein. Leider macht Uncle Sam dem Hersteller einen Strich durch die Rechnung. Laut einer Aussage des Vice-CEOs Yu Chengdong wurde sein Unternehmen von Microsoft vom Launch ausgeschlossen, da die US-Regierung enormen Druck ausgeübt hätte. In Redmond dementierte man das natürlich sofort – der Ausschluss sei aus „marketingtechnischen Gründen“ erfolgt. Da Huawei über beste Beziehungen zur Regierung der Volksrepublik China verfügt, war klar, dass diese Situation so nicht haltbar ist. China ist der größte Halter von amerikanischen Staatsanleihen – die Tradition besagt, dass der Geldgeber auf dem längeren Ast sitzt.

Kurze Zeit nach dem offiziellen Launch des Betriebssystems wurde dem bekannten Twitter-Leak-Account evleaks ein Foto zugespielt, das ein als Ascend W1 bezeichnetes Telefon zeigt. Die Spezifikationen reihen das Gerät in die Low-End-Klasse ein. Der Preis von 310 US-Dollar sollte Nokia vor ärgere Probleme stellen – die Auslieferung ist für die CES 2013 geplant. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, dass Huawei auf diese Demütigung mit der Entwicklung eines eigenen Betriebssystems reagiert – der Schaden für Microsoft wäre immens.

Schwedischer Zapfenstreich

Sony Ericsson, ehemals bekannt für wunderbare Businessgeräte wie das Xperia X1, ist an Windows Phone 8 völlig desinteressiert. Ein Manager des Unternehmens betonte laut Windows Phone Central sogar, dass man der Plattform prinzipiell „offen“ gegenüberstehe – das Problem ist nur, dass sonst niemand am Produkt Interesse hat („No one cares about Windows Phone 8“). Das mag einerseits an den schlechten Erfahrungen der anderen Licensees von Windows Phone liegen, hat aber auch in der Unternehmensstrategie begründete Ursachen.

Die Firma scheint seit einigen Jahren an professionellen Anwendern völlig uninteressiert zu sein. Beispiele dafür sind neben diversen Fehlschlägen bei der Gerätereparatur auch das konsequente Verzichten auf die Verschlüsselungsfunktion von Android. Aus diesem Blickwinkel betrachtet erscheint es geradezu lachhaft, wenn Sony sein Xperia T als James-Bond-Gerät vermarktet – selbst in Geheimdiensten in der dritten Welt gehört Verschlüsselung von Telefonen zum guten Ton. Der langen Rede kurzer Sinn: Sony wird kein Telefon anbieten. Dieser Verlust ist aber mehr als verkraftbar und löst bei Microsoft mit Sicherheit keine schlaflosen Nächte aus.

Fazit

Der Launch von Windows Phone 7 ist retrospektiv betrachtet ein Fehlschlag auf ganzer Linie. Das Betriebssystem vergraulte die an sich loyalen Nutzer von Windows Mobile en masse und reduzierte den Marktanteil des Redmonder Unternehmens in den vernachlässigbaren Bereich. Die Auswirkungen des Elop-Memos waren derartig katastrophal, dass es sinnlos ist, darüber auch nur eine Zeile zu verlieren. An sich macht Microsoft mit Windows Phone 8 vieles richtig. Leider ruht der Nimbus des „Destroyer of Marketshare“ auf der Plattform, was Microsoft das Ansprechen von Herstellern erschwert. Die jetzige Hardwareauswahl ist nicht allzu schlecht. Wer ohne Tastatur auskommt, findet in der Flut von gleichartigen Telefonen mit Sicherheit ein optisch ansprechendes Gerät. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, inwiefern die Preise stabil bleiben – wenn ja, ist das ein mehr als gutes Zeichen.

Aufmacherbild: Big digit Eight von Shutterstock / Urheberrecht: StockThings

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